2110-IP-Videoprodukte von Blackmagic Design sind äußerst benutzerfreundlich und ohne IT-Spezialisten einsetzbar, da sie Punkt-zu-Punkt verbunden werden. So lassen sich Ethernet-Verbindungen genauso verwenden wie BNC-SDI-Kabel. Zum Bau großer SMPTE-2110-Systeme mit Netzwerk-Switches benötigen Sie jedoch erweiterte Einstellungen, damit alles nach Plan funktioniert. Verwenden Sie zum Aktualisieren dieser Einstellungen einfach das kostenlose Dienstprogramm, das sowohl auf Mac- als auch auf Windows-Computern läuft. Damit alle Ihre Kameras, Mischer und MAZen gleich getaktet sind, müssen Sie die Einstellungen für die Grandmaster-Uhr aktualisieren. Ferner lässt sich die Routing-Steuerung per NMOS-einrichten. Benennen Sie dann Sender und Empfänger, um die Signalverteilung für Videos einfacher zu gestalten.
Der ATEM 4 M/E Constellation IP hat vier Sätze an dualen redundanten 100G-Ethernet-Anschlüssen und unterstützt somit SMPTE-2110-Redundanz. Bei der SMPTE-2110-Redundanz werden zwei identische Kopien Ihres Videos und Audios über zwei separate Netzwerkverbindungen übertragen. Noch besser funktioniert das, wenn Sie an die redundanten Ethernet-Ports vollständig getrennte Ethernet-Switches anschließen. Diese Redundanz bezeichnet man als SMPTE 2022-7 Seamless Protection Switching (unterbrechungsfreie Redundanzumschaltung). Bei dieser Methode werden die eingehenden RTP-Pakete beider Ethernet-Verbindungen anhand von Sequenznummern verglichen, sodass stets aus den zuerst empfangenen Pixelpaketen ein perfektes Videobild rekonstruiert wird. Umgeschaltet wird in Echtzeit und völlig nahtlos, ohne Bildausfälle oder Tonaussetzer.
Mit diesen Einstellungen wird konfiguriert, welche Rolle ein Produkt innerhalb eines SMPTE-2110-Systems einnimmt. Ein Sender paketiert Video-, Audio- oder Metadaten-Signale und überträgt sie über separate IP‑Streams im Netzwerk. Ein Empfänger hingegen „abonniert“ eingehende IP-Streams und rekonstruiert daraus das Videosignal. Um dies einzurichten, können Sie für jeden Essenztyp die Ziel-Multicast-Adresse, die Portnummer und das Stream-Format definieren. So würde man eine Kamera als Sender und einen Bildschirm oder Mischereingang als Empfänger verstehen. Die korrekte Konfiguration dieser Einstellungen sorgt dafür, dass 2110-IP-Streams die gewünschten Ziele erreichen und ordnungsgemäß decodiert werden.
Anhand dieser Einstellung sieht man, wo im Netzwerk sich der zentrale NMOS-Registrierungs- und Diensterkennungs-Server befindet. NMOS regelt die Routing-Steuerung von SMPTE-2110-Video und verwaltet die zum Weiterleiten von Video nötigen Verbindungen zwischen Sendern und Empfängern. Ist das NMOS-Kontrollsystem eingerichtet, „erkennt“ es sich mithilfe des IS-04-Erkennungsprotokolls selbst und andere IP-Videoprodukte und -Controller können es ebenfalls auffinden. Daraufhin akzeptiert das NMOS-System über den IS-05-Standard erkannte Verbindungen. Die NMOS-Registrierung ähnelt einem Telefonbuch der Produkte im Netzwerk. Jedes Gerät muss sich anmelden und seine Streams bekannt geben, damit diese von einem Steuerpanel aus weitergeleitet werden können. Ohne eine NMOS-Registrierung lassen sich Videos in einem großen 2110-System unmöglich verwalten und weiterleiten.
Es gibt spezielle Einstellungen zum Anpassen Ihrer Multicast-Adressen für die einzelnen Video-, Audio- und Zusatzdatenstreams, sodass sie von Ihrem IP-Videonetzwerk logisch gruppiert werden können. Eine Multicast-Adresse bezieht sich auf einen IP-Adressbereich von 224.0.0.0 bis 239.255.255.255 und ermöglicht die Kommunikation von einem an viele Standorte. So können Video-, Audio- und Zusatzdatenströme erfolgreich an mehrere Empfänger gleichzeitig gesendet werden. Dabei muss der Sender nicht dieselben Infos an jeden einzelnen Empfänger übermitteln. Diese Aufgabe übernimmt der Netzwerk-Switch, was Bandbreite und Netzwerktopologie spart.
Während professionelle Videoprodukte als Referenz häufig Tri-Sync oder Black-Burst verwenden, setzen SMPTE-2110-IP-Produkte für diesen Zweck auf das Precision Time Protocol oder PTP. Die Utility-Software verfügt über alle Einstellungen, die Sie zur PTP-Konfiguration in großen Broadcast-Systemen brauchen. Eine Grandmaster-Uhr verteilt die genaue Zeit über das IP-Netzwerk an Ihre Kameras, Mischer und MAZen, die sich damit gleichschalten. Dies gewährleistet auf der Seite des Empfängers perfekt aufeinander abgestimmte Video-, Audio- und Metadaten-Streams, selbst wenn sie als unabhängige IP-Flows übertragen werden. Das PTP ist hierarchisch aufgebaut: Der Grandmaster befindet sich an der Spitze, die mischerinterne Boundary Clock verteilt das Taktsignal nach unten weiter und die PTP-Clients passen sich für die fortwährende Synchronisation kontinuierlich an.
Mit der Einstellung für die PTP-Domain-Nummer können Sie bestimmen, mit welcher PTP-Taktgruppe die Synchronisation erfolgen soll. In diesem Fall findet die Synchronisation nur mit jenen Grandmastern statt, die dieselbe Domäne verwenden. So können im Netzwerk mehrere unabhängige PTP-Systeme zugleich existieren.
Mit der PTP-Master-Einstellung steuern Sie, ob Ihr Gerät als Grandmaster-Uhr fungieren und die Zeitangabe an andere Geräte im Netzwerk weiterleiten kann, oder aber als Client die Zeitangabe von einem vorhandenen Grandmaster empfängt und damit gleichschaltet wird.
Der PTP-Lock-Indikator zeigt, ob Sie im Netzwerk erfolgreich mit einer Grandmaster-Uhr synchronisiert sind. Wenn die Sperranzeige aktiv ist, erhalten Sie ein exakt getaktetes Signal und können SMPTE‑2110‑Streams synchron mit dem übrigen System verarbeiten.
Sind mehrere Generatoren vorhanden, wird mit der PTP-Priorität-Einstellung bestimmt, welches Gerät als Grandmaster fungiert. Ein niedrigerer Wert verweist auf eine höhere Priorität. Das Netzwerk verwendet diese Einstellung, während der „Best Master Clock Algorithm“ ausgeführt wird, damit die bevorzugte Taktquelle automatisch ausgewählt wird.
Mit „PTP Announce Interval“ wird eingestellt, in welchen Abständen ein Grandmaster ein Zeitsignal versendet. Die Einstellung „Announce Timeout“ definiert, wie viele Intervalle verpasst werden müssen, bevor ein Gerät annimmt, dass der Grandmaster verloren gegangen ist, und daraufhin die Auswahl einer neuen Master-Uhr auslöst.
Beim Hinzufügen eines neuen Geräts reagiert das PTP unter Umständen empfindlich auf Uhren mit höherer Priorität, woraufhin das gesamte Netzwerk mit der neuen PTP-Uhr neu synchronisiert wird. Mit Blackmagic IP-Produkten können Sie die Priorität auf den Modus „Follower Only“ einstellen, um dies zuverlässig zu vermeiden.
Im Dienstprogramm finden sich eine Vielzahl an Statusinformationen, sodass Sie sich vor Projektbeginn ein letztes Mal vergewissern können, dass alles korrekt funktioniert. Sie können die Drehzahl und den korrekten Betrieb aller Lüfter sowie die Temperatur der CPU kontrollieren. Überdies erhalten Sie Echtzeit-Updates zu Datenraten an den SMPTE-2110-Netzwerk-Ports. Angezeigt werden zudem der Status der Netzwerkverbindung an den QSFP-Ports sowie die Temperatur des Moduls.